Projekt „READ IT – Aktive Bürger*innen im ländlichen Raum“ des Europahaus Marienberg als „Beispiel Guter Praxis“ („Good Practice“) ausgezeichnet

Wie kann die ländliche Heimat lebendiger, nachhaltiger und ansprechender gestaltet werden? Im Projekt READ-IT haben sich sechs internationale Projektpartner damit beschäftigt, welche Initiativen es in ähnlich strukturierten Gemeinden gibt und wie sich diese übertragen lassen. Das im Projekt entwickelte „7-Steps-Manual“ unterstützt andere Gemeinden dabei, eigene Initiativen ins Leben zu rufen.

Als Lead-Partner hat das Europahaus Marienberg den Antrag für die zweijährige Strategische Partnerschaft im Rahmen europäischer Erwachsenenbildung bei der Nationalen Agentur bei Bundesinstitut für Berufsbildung – NA BIBB Bildung für Europa im Rahmen des europäischen Bildungsprogramms ERASMUS+ gestellt. Die Projektdurchführung fand von 2017 bis 2019 statt. Nach dem Abschlussbericht und der Projektbegutachtung wurde das Projekt nun auf nationaler Ebene als Beispiel Guter Praxis, als so genannte „Good Practice“, ausgezeichnet. Gleichzeitig wurde es mit diesem Prädikat in den Jahresbericht der Nationalagentur aufgenommen.

Das Projekt wurde durch das Europahaus Marienberg in enger Kooperation mit der Verbandsgemeinde Bad Marienberg und Bürgerinnen und Bürgern aus der VG realisiert.

Strukturwandel im ländlichen Raum

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Lebenssituation im ländlichen Raum dramatisch gewandelt: veränderte Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, schwache Infrastruktur, wachsende Armut, schließende Schulen und Geschäfte. Das Landleben ist für viele junge Menschen wenig attraktiv. Mit dem Ziel, die ländliche Heimat lebendiger, nachhaltiger und ansprechender zu gestalten, hat sich eine Gruppe von sechs Partnern aus Nord-, Ost-, Süd- und Westeuropa sowie der Mitte Europas zu einer Strategischen Partnerschaft zum Austausch guter Praxis zusammengeschlossen und sich mit folgenden Fragen beschäftigt: Welche Angebote und Initiativen gibt es in ähnlich strukturierten Gemeinden? Lassen sich die Angebote übertragen und wenn ja, wie?

Die Projektpartner haben Bürgerinitiativen und Freiwilligenarbeit als wirksam identifiziert, um dazu beizutragen, das soziale Überleben in den kleinen Dörfern Europas zu sichern. Auf vier transnationalen Projekttreffen haben die sechs beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen spannende und erfolgreiche Beispiele kennengelernt und diskutiert.

Von Kunst auf Rädern, Kooperativen und Geschichtsbüchern

So lernten die Projektpartner in Frankreich u.a. das Mobile Museum MuMo kennen, welches zeitgenössische Kunst auf einem eigens dafür eingerichteten LKW in die Dörfer trägt und damit Kinder und Erwachsene erreicht, die sonst kaum Zugang zu kulturellen Angeboten erhalten.

Im schwedischen Hamrånge wurde die Kooperative Fixarna vorgestellt, die von engagierten Bürgerinnen und Bürgern in einem ehemaligen Industriegebiet gegründet wurde. Sie bietet maßgeschneiderte Haushaltsdienstleistungen an, hat einen Nachbarschaftsladen und ein Retro-Café ins Leben gerufen und damit bereits rund 50 Personen zu Arbeit und neuen Zukunftsperspektiven verholfen.

In der Gemeinde Kiszkowo in Polen werden die Traditionen und Geschichten alter Dörfer zu neuem Leben erweckt, indem die Gemeindevorstehenden, Lehrkräfte, Historiker und Schriftsteller gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Bücher über ihr Dorf erstellen und dadurch die Verbindung zu den eigenen Wurzeln stärken.

Impulse für eigene Initiativen

Diese und viele weitere Beispiele für das Engagement aktiver Bürgerinnen und Bürger, die auf dem Land leben, lassen sich auf der Projektwebseite www.ruralareas.eu nachlesen. Des Weiteren haben die Projektpartner ein „7-Steps-Manual“ entwickelt, das anderen Gemeinden dabei helfen soll, eigene Initiativen ins Leben zu rufen. Der Austausch und die Vernetzung standen bei den Projektpartnern jedoch im Vordergrund. Der Studienleiter des Europahaus Marienberg, Karsten Lucke, der als Erster Beigeordneter der VG Bad Marienberg die Kommune vor Ort mit dem Projekt zusammengebracht hatte sagte zu dieser Auszeichnung: „Das ist natürlich am Ende eine tolle Rückmeldung, dass unser Projekt vom europäischen Bildungsprogramm ERASMUS+ so herausgestellt wurde. Es war die erste Strategische Partnerschaft, die das Europahaus als Projektleitung durchgeführt hat. Wir wollen jetzt daran anknüpfen und sehen, was wir im ländlichen Raum speziell im Hinblick auf den Klimaschutz europäisch voneinander lernen können, die nächste Projektidee ist dazu bereits angestoßen.“